Pizza Nutella und andere italienisch-türkisch-deutsche Kreationen

Das Restaurant »Zamazingo« in der Pichelsdorfer Straße

Der Familienbetrieb Zamazingo (türkisch für: Dingsda) am Metzer Platz bietet italienische Küche vom Feinsten. Ihre Rezepte haben der Pizzabäcker Kargin und seine Frau aus Italien importiert und mit eigenen Ideen angereichert. Beide haben türkische Wurzeln, sie kommt aus Hannover, er aus Hamburg.

Sevim Kargin, die Inhaberin des Restaurants Zamazingo, sitzt an diesem Freitagmorgen selbst an einem der drei kleinen Tische ihres bordeauxrot gestrichenen Restaurants, das wegen seiner Größe eher an einen Feinkostladen oder ein Bistro erinnert – der Familienbetrieb umfasst insgesamt nur 30 Quadratmeter. Ihr Mann steht hinter der breiten Holztheke in der fünf Quadratmeter großen Küche am Pizzaofen und macht die Bestellung eines älteren Herrn fertig: vier Pizzen zum Mitnehmen.

Frau Kargin steht unter Strom: Das Ehepaar will das Zamazingo vergrößern und hat dafür zusätzlich die Räume des ehemaligen Nagelstudios nebenan gemietet. Im Oktober haben die Kargins die neuen Räume gestrichen, seit November zahlen sie Miete und warten zunehmend nervös auf die notwendigen amtlichen Genehmigungen. Denn die Kapazitäten der jetzigen Räumlichkeiten reichen schon lange nicht mehr. Besonders am Abend findet manchmal nicht einmal die Hälfte aller Gäste einen Sitzplatz: »Wir haben hier sehr viele Stammkunden: von Familien mit Neugeborenen bis hin zu alten Menschen, eine ganz tolle Mischung. Sogar einige Italiener, die sagen: Das ist wie ein Stück Heimat hier, der Geschmack.« Voller Stolz fügt sie hinzu: »Einige sagen sogar, dass sie woanders keine Pasta oder Pizza mehr essen können, ohne dabei an uns denken zu müssen.«

Seit zehn Jahren arbeitet das Ehepaar, das zwei gemeinsame Töchter hat, schon zusammen. Das Zamazingo aber ist ihr erstes eigenes Restaurant. Bis zur Eröffnung 2012 hatten sie gemeinsam im Restaurant eines Cousins am Ostkreuz gearbeitet. »Das war eine andere Klientel: Keine Stammgäste, nur Laufkundschaft. Oft betrunkene Touristen, die die Toilettenwände beschmiert haben«, erzählt Sevim Kargin.

Ihr Mann hatte einen anderen Traum. Der gelernte Pizzabäcker wollte sich gemeinsam mit seiner Frau etwas aufbauen: ein eigenes Restaurant an einem ruhigen Standort, eine Stammkundschaft. In Reinickendorf, wo die Familie lebt, waren jedoch die Mieten für Läden sehr hoch: »Mein Mann hat lange recherchiert und gesucht, bis er die Räume hier in Spandau gefunden hat. Die Wilhelmstadt war genau das Richtige: ruhig und dennoch günstig.«

Als Familie zusammen zu arbeiten, erzählt die gelernte Büroassistentin und Übersetzerin, habe Vor- und Nachteile. Ein entscheidender Nachteil: »Man nimmt seinen Chef immer mit nach Hause.« Dem herzlichen Umgang des Ehepaares merkt man an, dass für die beiden aber die Vorteile überwiegen. »Ich habe mich für meinen Mann entschieden und damit war es selbstverständlich für mich, auch das Restaurant mit ihm zu machen.« Liebe, sagt Frau Kargin, sei ihr am wichtigsten – viel wichtiger als Geld und Karriere. Im Familienbetrieb ist sie nun sowohl Köchin als auch Managerin.

Das Kochen hat sich die zweifache Mutter selbst beigebracht, das Händchen für Gastronomie aber liegt in der Familie: Einer ihrer Brüder hat ein französisches Restaurant, ihr Onkel ein türkisches. »Bei uns Kargins sind es die Männer, die kochen«, sagt sie und lacht fröhlich. »Auch auf Familientreffen sind es die Männer, die übers Kochen reden und miteinander Rezepte tauschen oder mal schnell etwas zusammen in der Küche probieren.«

Manchmal, erzählt sie, seien Gäste irritiert, wenn sie merkten, dass die Kargins gar keine Italiener seien, sondern Deutsche, Kinder türkischer Gastarbeiter. »Meist aber lachen sie dann.« Für die Rezepte spiele ja schließlich die Herkunft des Koches auch keine Rolle: »Du musst ja nicht aus einem bestimmten Land kommen, um gut kochen zu können. Du musst lieben, was du kochst, um eigene Ideen reinzubringen und neue Geschmäcker zu kreieren.«

Neue Rezepte denken sich die Kargins als Familie gemeinsam aus. »Bei den neuen Pizzen zum Beispiel haben wir zusammen mit unseren Töchtern überlegt, was man noch als Belag nehmen könnte, um mal was Neues zu probieren. Dabei herausgekommen ist unter anderem unsere Pizza Nutella.« Die älteste Tochter der Kargins ist auch sonst der Gastronomie gegenüber nicht abgeneigt. An den Wochenenden hilft die Studentin der Soziologie und Medienwissenschaften im Familientrieb mit. Als Küchenkraft, aber auch gestalterisch: Das gesamte Interieur des Ladens bis hin zu den Menükarten ist ihr Werk.

 

Eva-Lena Lörzer,Wilhelmstädter Magazin Nr. 1, Februar/März 2016

Zamazingo, Pichelsdorfer Straße 118, Tel.: 030.54 77 31 92
Öffnungszeiten: täglich 11 – 23 Uhr

 

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