Pizzabäcker aus Leidenschaft

»Solo Pizza« in der Wilhelmstraße feiert im September sein zehnjähriges Bestehen

Chapeau und Glückwunsch! »Solo Pizza« in der Wilhelmstraße hat kürzlich im Kabel1-Gastro-Wettbewerb »Mein Lokal, Dein Lokal« unter zahlreichen Bewerbern das Finale gewonnen. Den Betreibern wurde bescheinigt, die beste Pizza Berlins zu machen. – Das sahen freilich auch schon vorher viele Gäste so, wenn man mal die Kommentare in sozialen Netzwerken anschaut.

Seit fast genau zehn Jahren führen Gina und Samir Livolsi das kleine Lokal. Gerade mal zwanzig Plätze gibt es innen, bei gutem Wetter sind auch die 70 Sitzplätze vor der Pizzeria ebenso gut ausgelastet. »Dit is immer minimalistisch, wir sind ja ein kleiner Laden«, sagt Samir im schönsten Berlinerisch.

Samir Livolsi und seine Frau Gina sind seit 30 Jahren Gastronomen »mit Herzblut«, das ist auch familiäre Tradition. Samir, der nicht nur berlinern kann, sondern mehrere Sprachen beherrscht, ist gebürtiger Bosnier. Er kam als Vierjähriger mit seiner Familie nach Berlin, seine Mutter hat aber auch schon in Spanien »professionell gekocht und allet«, erzählt er. Seine Frau Gina hat einen sizilianischen Vater und eine deutsche Mutter, auch hier hat das gastronomische Talent familiäre Wurzeln. Gina und ihre Eltern führten in den 1980er Jahren das Spandauer Restaurant »Fontana di Trevi«, Samir stieg mit ein, lernte das echte Pizzabacken und kochen. Später übernahm das Paar das Restaurant, betrieb auch andere Lokale und ein kleines Hotel.

Den Laden in der Wilhelmstraße, ursprünglich geplant für eine Bäckerei, entdeckten sie eher zufällig – er stand lange leer. Und eigentlich wollten sie ja nur einen Pizza-Lieferservice in den kleinen Räumen einrichten. Doch dann fanden viele Besucher es so gemütlich hier, an dem großen Tisch, der eigentlich nur für Freunde gedacht war, und die Pizzen ausgesprochen lecker. Besonders beliebt ist die »Meterpizza« für Freundes- und Familienfeiern. Samir: »Wir waren ja keine Newcomer, wir kamen schon mit einem großen Kundenkreis.«

Den Holzsteinofen hat er selbst gebaut. Was ansonsten das Geheimnis einer richtig guten Pizza ist? Er lacht. »Leidenschaft – und Handwerk«, sagt er. Außerdem: das italienische Feinmehl, das gut klebt, Stärke 00. Der Käse wird selbst gerieben und gemischt. Teig, Käse, Tomatensauce: alles täglich frisch gemacht. Alle Mitarbeiter – derzeit acht – bereiten nach Samirs Vorgaben zu. Entscheidend sind die besten Zutaten, beispielsweise eine spezielle Salami aus Kalabrien. Und wenn die gerade nicht verfügbar sein sollte, gibt es eben auch keinen billigen Ersatz.

Das Erfolgsrezept? »Ehrlichkeit und Transparenz sind ganz wichtig für ein Geschäft. Aber es geht nicht nur um Sympathie – es muss ja vor allem schmecken. Wenn die selbstgemachte Pizza zu Hause besser schmeckt als die im Lokal, dann läuft im Lokal irgendwas falsch.«

Ehrlichkeit: »Solo Pizza« ist genau das, was der Name sagt. Es gibt hier tatsächlich nur Pizza – Konzentration ist alles. Und was, wenn ein Gast doch einen Salat oder ein Dessert will? »Kein Problem. Wir kooperieren eng mit dem benachbarten Café Barfly. Das ist ein echtes Kiez-Team mit Familiencharakter. Wenn ein Salat gewünscht wird, oder ein Getränk, das wir nicht im Angebot haben, bringt es jemand vom Barfly.«

Hier kommt eine andere Komponente ins Spiel: gute Nachbarschaft. Das merkt man schon beim jährlichen Wilhelmstadtfest, bei dem u.a. das »Barfly« (das auch einen Großteil des Festes in den letzten Jahren organisiert hat) und »Solo Pizza« die Besucher bewirten. »Der Kiez rückt wieder zusammen, und wir können darauf wirklich stolz sein!« Das Entscheidende ist eben: Leidenschaft. Samir sagt: »Man muss sich auch ein bisschen den Hintern aufreißen. Und denken und lenken.« Und natürlich sind Gina, Samir und ihr Team auch beim Wilhelmstadtfest am 9. Juli wieder mit dabei.

 

Ulrike Steglich, Wilhelmstädter Magazin Nr. 4, Juli/ August 2017

Solo Pizza, Wilhelmstraße 147, 13595 Berlin, Tel. 030. 364 33 888, Öffnungszeiten: Mo–Do 16–23 Uhr, Fr & Sa 14–23 Uhr, So 13–21 Uhr

Zurück zur Übersicht

Weitere Portraits von Gewerbetreibende

  • s
    Den Menschen als Ganzes sehen

    Karin Kart ist nicht nur Krankenschwester, sondern führt auch eine Naturheilpraxis in der Weißenburger Straße. Nachdem Karin Kart ihrem Gast einen Stuhl und ein Glas Wasser angeboten hat, schaut sie einen an. In Bruchteilen von Sekunden nimmt sie [...]

    Weiter lesen
  • s
    Betty macht Druck – mit Liebe, Kreativität und Folien

    Seit Dezember 2017 betreibt Bettina Gräbnitz ihren Laden in der Weißenburger Straße 20. Es gibt Räume, in denen man sich sofort wohlfühlt. Bettys Geschäft ist so ein Raum. Ein kleiner Laden, schmal und eher langgesteckt, die Wände haben [...]

    Weiter lesen
  • s
    Von Baklava bis zur Hochzeitstorte

    In der Pichelsdorfer Straße 91 betreibt eine syrische Familie eine neue Konditorei. Wie unterschiedlich ein und derselbe Raum duften kann. Noch vor einem Jahr wurde man im Ladengeschäft Pichelsdorfer Straße 91 von einem angenehmen, dezenten Duft umfangen, eine Melange [...]

    Weiter lesen
  • Logo Eight
  • Logo Seven
  • Logo Six
  • Logo Five
  • Logo Four
  • Logo Three
  • Logo Two
  • Logo One