Spannende Lektüre!

In der Wilhelmstadt wurde ein spannender Fund gemacht … ein altes Tagebuch, geschrieben in der Nachkriegszeit, ist aufgetaucht. Bei der Verfasserin handelt es sich um Ria Fröwis, eine Spandauerin, die das kleine Büchlein als eine Mischung aus Haushaltsbuch und Chronik ihres Alltags führte. Geschrieben ist das Tagebuch in der nahezu vergessenen Schriftform Sütterlin, die anfangs nur sehr schwer zu entziffern war.

Ria Fröwis Aufzeichnungen beginnen im August 1945 und enden mit dem September 1947. Beschrieben werden Momente, die von Hunger, Krankheit, die Sorge um die Kinder und die Ungewissheit über das Schicksal des Ehemannes geprägt sind. Diese Momente der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit werden jedoch immer wieder von Momenten der tiefen Freude über den lebenden ältesten Sohn oder über Nachrichten des Ehemanns abgelöst.

Besonders eindrücklich zeigt dieses Wechselbad der Gefühle der Eintrag vom 6. August 1945:

„Fürchterliche Monate, Tage und vor allem Nächte der Verzweiflung liegen hinter mir. Daß das Leben noch Freuden zu vergeben hat, habe ich nicht mehr erhofft. Und doch! Heute erreicht mich die Nachricht aus Mchn. (Anmerkung des Herausgebers: München), dass mein Junge unter den Lebenden […] ist. […] Walter lebt! Ich kann das Glück kaum für mich behalten.“

Das Besondere an dem Text des Tagebuches ist das unvermittelte und gleichgewichtige Nebeneinander von gesellschaftlich wichtigen und kleinen privaten Ereignissen. Das neue Kleid und die Sorge um die Zukunft stehen in einem unmittelbaren Zusammenhang genauso wie Hunger und Heimatfilm. So ist nun einmal das wirkliche Leben. Das Tagebuch ist kein Roman, hat nicht die Absicht einer Botschaft oder Lehre. Es ist nichts anderes als ein ungefilterter Einblick in ein Leben in schweren Zeiten in Spandau von 1945 bis 1947.

Unter der Mitwirkung unterschiedlichster Personen ist eine wundervolle Broschüre entstanden, in der die handschriftlichen Eintragungen der Ria Fröwis in transkribierter Form und mit Erklärungen und Bebilderungen untermauert der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnten.

Was war eine Schwedenspeisung? Was verbirgt sich hinter der Lichtsperre? Haben Sie schonmal einen Eierzeppelin gegessen? Und was hat es mit dem Großfeuer bei Löbel auf sich? Das alles erfahren Sie in der Broschüre zum Nachkriegstagebuch der Ria Fröwis, die für einen Euro im Stadtteilladen in der Adamstraße 39 in der Wilhelmstadt zu erwerben ist.

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